Ist Deutschland technikfeindlich?

In den letzten Wochen, seit den Demonstrationen zu Stuttgart 21 und dem Regierungsbeschluss, die Laufzeit der Atomkraftwerke zu verlängern, wird in einigen Medien aber auch von Vertretern der Schwarz-Gelben Koalition verbreitet: „Deutschland ist technikfeindlich und nicht mehr zukunftsfähig“. Wenn es um Groß-Technologien geht, wie Gentechnik, Atomtechnik, etc. oder auch um sehr große Projekte wie Stuttgart 21, bei denen die Bürger direkt oder in ihrem unmittelbaren Umfeld betroffen sind, ist es völlig klar, dass Ängste entstehen. Die Bürger denken aber auch über die Sinnhaftigkeit beim Kosten/Nutzen-Verhältnis nach, wenn es um den Einsatz ihrer Steuern geht.

Die Folge sind Bürgerinitiativen und Demonstrationen.

Aber ist es dann zulässig, das, durch unser Grundgesetz zugesicherte, Demonstrationsrecht (Artikel 8 GG) zumindest in der Meinungsmache zu „kastrieren“, um einen vermeintlichen Fortschritt zu sichern? Nicht alles was technisch machbar ist, ist auch sinnspendend oder gar artgerecht für die Menschheit und die Natur! Es ist deshalb notwendig und sinnvoll, Bürger auch in fortgeschrittenen Planungsstadien bei den Entscheidungsprozessen mitwirken zu lassen. Hierzu hat Kurt Beck bei seiner Bewerbungsrede zur Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2011 eine kluge Gesetzesinitiative angekündigt, bei der in Zukunft eine konsequente und breitere Mitsprache der Bürger bei Projekten auf Kommunal- und Landesebene möglich sein soll. Damit setzt sich Beck für mehr Demokratie und Transparenz ein.

Dies ist ein richtiges Signal zum richtigen Zeitpunkt für unsere moderne Demokratie!

Wenn in der Politik die richtigen Weichen gestellt werden (z.B. in der Umweltpolitik) und man auch dabei bleibt (z.B. Atomausstieg), dann stellen sich die Unternehmen über kurz oder lang darauf ein, denn mit Ideologie schaffen sie keine Arbeitsplätze und verdienen auch kein Geld. Viele mittelständige Unternehmen, gerade in Rheinland-Pfalz, haben tausende Arbeitsplätze in der Umwelttechnik geschaffen und sind darüber hinaus weltweit Technologie-Führer. Auch große Technologie-Konzerne wie Siemens sind schon auf den Zug aufgesprungen. So erwartet das Großunternehmen für das Jahr 2014 einen Umsatz von 40 Mrd. Euro in seinem Umweltportfolio „grüne Technologie“. Bei anderen Großunternehmen ist es nicht anders!

Fazit: Deutschland ist in vielen Bereichen Technologie-Führer und weder technikfeindlich noch zukunftsblockierend, wenn Mensch und Natur respektvoll in neuen Technologien eingebunden, bzw. berücksichtigt sind!

Ein Blog-Beitrag für die Seite „SPD-Südpfalz“
von Wolfgang Thiel
Hergersweiler 08.11.2010

Dieser Beitrag wurde unter Innenpolitik, Meinung, Umwelt, Energie & Tierschutz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Ist Deutschland technikfeindlich?

  1. Dr. Ernst Ecker schreibt:

    Wieso soll Deutschland nicht technikfeindlich sein, obwohl verhindert wird,
    dass elektrische Energie aus Windkraft (Nordsee) oder Wasserkraft (Norwegen) wegen Verhinderung der Leitungen nicht zu den Verbrauchern geleitet werden kann,
    dass mit der Schweiz und Frankreich abgesprochene Verkehrswege – insbesondere Schienenwege (= ökologisch sinnvoller als Straßen) – nicht hergestellt werden können,
    dass Wasserstraßen(= auch ökologisch sinnvoller als Straßen) weder ausgebaut noch erhalten werden können u.v.a. mehr.
    Natürlich lässt sich immer ein Kraut oder ein Tierchen finden, um so etwas zu verhindern. Manchmal hat man sogar das Gefühl, solche seltenen Tiere werden bewusst an solche Orte gebracht.

  2. Josef Rothe schreibt:

    Der Kragen sitzt halt näher als das Hemd am Kopf.

    Daher ist es nur zu verständlich, dass Menschen sich gegen Großprojekte wehren, wenn sie selbst betroffen sind. Die Bayern sind überwiegend der Auffassung, dass ein Atomendlager sinnvoll ist und der Atommüll nicht ins Ausland exportiert werden soll. Dieses Bild würde sich rasend schnell ändern, wenn statt Gorleben nun Ingolstadt als Endlager vorgesehen wäre.

    Mit technikfeindlich hat das freilich nichts zu tun. Wenn wir Deutschen so technikfeindlich wären, würde immer noch in jedem Dorf eine Telefonzelle stehen und auf den Dächern wären Antennen statt Schüsseln zu sehen. Auch würde im Büro noch immer die Schreibmaschine den Takt angeben und nicht der summende Computer. Nein, weder die Deutschen, noch insbesondere wir Sozialdemokraten sind und waren je technikfeindlich.

    Aber wir waren auch sehr oft kritisch, wenn eine neue Technologie noch unausgegoren war. Während Anfang der 90-ger Jahren in den USA bereits jeder zweite ein Handy besaß, kamen in Deutschland nur einer auf 100. Auch Länder wie Italien, Frankreich oder Großbritannien waren damals weiter als wir. Binnen 10 Jahren hat sich das Bild auf den Kopf gestellt. Gleiches gilt auch für den PC und viele andere Techniken.

    Ich finde so eine Haltung sympatisch und vernünftig. Neugierig und zugleich kritisch zu sein, hat der Menschheit noch nie geschadet. Aber es ist immer leicht vernünftig zu sein, wenn man gar nicht betroffen ist. Darum sollten wir Verständnis für eine kritische Haltung haben und mit Argumenten überzeugen. Dabei ist es im übrigen völlig egal, wie andere Parteien dies sehen, weil die kein Maßstab für uns sein können.

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